Dactylorhiza

GATTUNG KNABENKRAUT (FINGERWURZEN)

Die meisten Arten der Gattung Dactylorhiza wurden ursprünglich der Gattung Orchis zugeordnet. Die beiden Gattungen unterscheiden sich deutlich, wenn man die Wurzelknollen untersucht. Die Wurzelknollen von Dactylorhiza sind handförmig (Fingerwurzen), die der Gattung Orchis sind rund.

Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht über ganz Eurasien, von Island und Madeira im Westen, Nordafrika im Süden, Skandinavien im Norden bis zum Himalaya und sogar östlich von Sibirien nach Alaska, wo das Gefleckte Knabenkraut anzutreffen ist. In Europa und Nord- Afrika gibt es ungefähr 60 Arten.

Die Spezies hat zarte Stängel. Die Blätter sind lanzettförmig bis eiförmig. Die Blätter können hell bis dunkelgrün gefärbt sein und einige Arten haben dunkelviolette Flecken auf der Blattober- oder -unterseite oder auf beiden Seiten. Der Blütenstand ist in der Regel sichtbar, bevor sich der Stängel streckt. Die Blüten sind vielfältig. Die Blüten können dicht beieinander oder mit einem größeren Abstand voneinander am Stängel sitzen. Die Blüten sind sehr farbenreich und das Farbspektrum reicht von dunkelpurpur über karminrot bis hell rosa. Einige Arten sind gelb oder rein weiß.

Die Blüten produzieren keinen Nektar. Sie sind schön und vermitteln den Eindruck Nektar zu enthalten. Sie werden von Fliegen, Käfern, Hummeln und Bienen bestäubt, die nicht zwischen den gleichzeitig blühenden Arten unterscheiden können. Ein Insekt kann ein Pollinium von der Blüte einer Art zu der einer anderen bringen. Dadurch kann es zur Hybridisierung kommen. Hybriden (Mischlinge) innerhalb der Gattung sind nicht ungewöhnlich. Die Hybride sind untereinander steril, können aber mit der Stammart Nachkommen hervorbringen. Hybriden zu bestimmen ist schwierig. Das habe ich unzählige Male erlebt.

   
Die Systematik innerhalb der Gattung Dactylorhiza ist kompliziert, weil die Artbildungsprozesse hier schnell vonstattengehen. Ein schwedischer Botaniker hat einmal gesagt: „Wie soll ich denn diese Pflanzen bestimmen? Die wissen nicht einmal selbst, welcher Art sie angehören!“ Oft war die Bestimmung der Arten schlecht begründet, wodurch die Abgrenzung der Arten schwierig war und es zu unterschiedlichen Interpretationen kam. Darüber hinaus zeigen einige Arten große morphologische Unterschiede, je nach dem in welchem Lebensraum sie vorkommen. Niemandem ist damit gedient, die Varianten jedes Moores, jeder Insel oder Halbinsel als eigene Unterart zu benennen.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Amateurbotaniker durch die vielen Arten der Gattung Dactylorhiza verwirrt werden – ausländische Bestimmungsbücher machen die Situation nicht besser. Das liegt daran, dass die Bestimmungsbücher die Uneinigkeit der Botaniker widerspiegeln. (diese Probleme sollten den „Berufsbotanikern“ (Taxonomen) überlassen werden).

Es wurde lange davon ausgegangen, dass viele Arten aus Hybriden hervorgegangen waren und die aktuelle Forschung in Schweden, Dänemark und England bestätigt dies.

Arten, deren einer Elternteil entweder das Gefleckte Knabenkraut oder das Fuchssche Knabenkraut und der andere Elternteil das leischfarbene Knabenkraut ist, werden Hybridarten genannt. Die Wissenschaftler haben moderne Untersuchungsmethoden eingesetzt um dies herauszufinden. In der DNA der Chloroplasten, den Strukturen in der Zelle, in denen die Fotosynthese abläuft, ist die elterliche DNA wiederzufinden. Es ist so möglich festzustellen, aus welchen Arten sich die Hybride zusammensetzt. Das Fleisch-farbene und das Fuchsesche Knabenkraut haben einen Chromosomensatz von 2n = 40.

Marihand - stormarihand -

Dactylorhiza praetermissa. Foto: © Karel Kreutz.

Das Gefleckte Knabenkraut ist ein so genannter Autotetraploid mit einer Chromosomenzahl von n=80. Es beginnt damit, dass die Arten zu Zwischenarten werden. Im Laufe der Entwicklung gab es eine Rückkreuzung mit einer der Elternarten und es kam zu einer Chromosomenverdoppelung. Die gleiche Hybridart kann so kontinuierlich an unterschiedlichen Orten entstehen. Da die Elternarten weit verbreitet sind und im Aussehen stark variieren, sehen auch die Hybridarten unterschiedlich aus. Das letzte Wort ist hinsichtlich der Systematik innerhalb der Gattung Dactylorhiza daher noch nicht gesprochen und die Botaniker diskutieren weiterhin, wie die allotetraploiden Pflanzen benannt und eingeordnet werden sollen. Ein Vorschlag besteht darin, alle Hybridarten unter dem Namen D. majalis, zusammen-zufassen. Eine Lösung, die jetzt in Skandinavien auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Studien verwendet wird. Ich verwende die derzeit (2012) in Skandinavien eingesetzten wissenschaftlichen Namen.

Darüber hinaus füge ich das Fleischfarbene Dünen-Knabenkraut (D. incarnata ssp. lobelii) und das Übersehene Knabenkraut (D. praetermissa) hinzu. Beide werden in Lids Norsk Flora, dem norwegischen Standardwerk für Pflanzenbestimmung, beschrieben, sind jedoch nicht auf der Namensliste von 2009 zu finden.