Cephalanthera

Waldvöglein

In der Gattung Waldvöglein gibt es mindestens 15 Arten. Die Gattung steht in der näheren Verwandtschaft zu den Stendelwurzen (Epipactis). Es handelt sich um eine eurasische Gattung, von der acht Arten in Europa anzutreffen sind. In Norwegen treten davon nur zwei Arten, das Schwertblättrige Waldvöglein und das Rote Waldvöglein, auf. Beide Arten sind stattlich und sehr hübsch.

Das Rote Waldvöglein ist sehr selten und auch sehr schwer zu finden. Das Schwertblättrige Waldvöglein ist nicht ganz so selten wie das Rote Waldvöglein und hat in Norwegen ein größeres Verbreitungsgebiet. Die drei Fruchtblätter der Blüte bilden zusammen eine Narbe. Es gibt kein Organ, das eine Scheibe bildet. Der Art fehlen unterirdische Knollen. Stattdessen bildet sie kurze, kriechende Rhizome aus. Das Waldvöglein wird zu den ursprünglicheren Formen der Orchideenfamilie gezählt.

  Am Rhizom bilden sich im Frühjahr neue Sprosse von ungefähr 50 cm Höhe mit 2 cm breiten und 10 cm langen Blättern aus. Die Blüten bilden keinen Nektar. Sie haben ein attraktives Aussehen für bestäubende Insekten, hauptsächlich Bienen. Das Pollinium wird während des Betäubungsvorgangs an dem Stachel der Biene befestigt. Wenn die Biene die nächste Blüte besucht, wird das Pollinium an die richtige Stelle übertragen.

Der Reproduktionsmechanismus aller Arten der Gattung Waldvöglein wird als ursprünglich angesehen und es entstehen wenige Fruchtkapseln. Die geringe Samenproduktion wird als eine wichtige Ursache dafür gesehen, dass die Arten nur selten in der norwegischen Natur anzutreffen sind. Die Waldvöglein vermehren sich außerdem vegetativ durch die Ausbildung von Adventivknospen an den Rhizomen.

Norske orkideer - Rød skogfrue - Cephalanthera rubra

Cephalanthera rubra

Norske orkideer - Rød skogfrue habitat

Rotes Waldvöglein

Cephalanthéra rubra (L.) Rich.
Das Rote Waldvöglein ist über ganz Europa, Kleinasien, dem Kaukasus, dem Iran, Turkmenistan und in Marokko verbreitet. In Norwegen kommt es dagegen nur in einem sehr begrenzten Gebiet im südlichen Teil Ost-Norwegens vor und dort vorzugsweise in Kieferwäldern auf steilen Südhängen mit kalkhaltigen Böden.

Das Rote Waldvöglein hat eine sehr geringe Samenproduktion, hat jedoch eine gut ausgeprägte vegetative Vermehrungsfähigkeit, so dass eine Pflanze mehrere neue Sprosse an den Rhizomen ausbilden kann. Das Direktorat für Naturverwaltung gibt an, dass 41 Lokalitäten bekannt sind, an denen das Rote Waldvöglein vorkommt. Davon wachsen an 20 Standorten nur 2- 3 Exemplare.

Das Rote Waldvöglein kann bis zu 60 cm hoch werden und bildet in der Regel 3 bis 11 Blüten aus. Die Blütezeit liegt gegen Ende Juni, zeitgleich mit der Blütezeit der Pfirsichblättrigen Glockenblume. Das Rote Waldvöglein und die Pfirsichblättrige Glock- enblume haben den gleichen Duft und Bienen und Hummeln fliegen abwechselnd zu beiden Arten. Wenn die Blüte des Roten Waldvögleins bestäubt wird, ist es vielleicht nur ein großer Zufall.

Das Rote Waldvöglein ist eine Primadonna und kann mit den tropischen Orchideen verglichen werden. Sie verträgt keine Konkurrenz von anderen grünen Gewächsen. An halbschattigen Standorten gedeiht das Rote Waldvöglein am besten. In Buskerud habe ich seit 1995 mehrfach ein Vorkommen aufgesucht. Bei meinem ersten Besuch habe ich 12 fertile und eine geringere Anzahl steriler Pflanzen entdeckt. Im Jahr darauf fand ich auch viele fertile Pflanzen sowie zwei weitere Lokalitäten mit fertilen Sprossen an dem gleichen steilen Hang, etwa 50 m unterhalb des bereits bekannten Standortes.

Diese Vorkommen habe ich später nie wieder gesehen. Ich habe ebenfalls erlebt, dass an genau dem gleichen Standort, an dem ich früher 12 fertile Pflanzen gefunden hatte, nur noch eine blühende Pflanze mit drei Blüten stand. Im Jahre 2005 waren an der gleichen Stelle drei fertile und einige sterile Sprosse zu finden. 2006 waren es dagegen fünf fertile Sprosse und es war kein steriler Spross zu finden. Das Rote Waldvöglein ist dafür bekannt, dass es lange Zeit ohne oberirdische Sprosse überdauern kann und erst dann wieder blüht, wenn sich die Lebensbedingungen verbessert haben. Vermutlich ist das Rote Waldvöglein stark abhängig von den jährlichen Klimaschwankungen.

Das Direktorat für Naturverwaltung hat einen Handlungsplan für das Rote Waldvöglein entwickelt, der zum Ziel hat, die noch vorhandenen Habitate des Roten Waldvögleins in Norwegen zu erhalten. Die größte Gefahr droht dem Roten Waldvöglein von blumenpflückenden Spaziergängern, dem Straßenbau oder anderen mechanischen Eingriffen in die Natur. Es gibt acht Naturschutzgebiete mit bekannten Vorkommen des Roten Waldvögleins. Das Direktorat für Naturverwaltung schlägt vor, eine weitere bekannte Lokalität unter Schutz zu stellen.